Geschichtliches aus Großschönau

Über viele Jahre gesammelte Informationen zur Geschichte von Großschönau finden Sie in den folgenden Beiträgen. 


Die Färberei Tischer in Großschönau

In diesem Artikel möchte ich über die „Färberei Karl Tischer“ in Großschönau berichten. Die Färberei befand sich zwischen der Spitzkunnersdorfer Straße und der heutigen Hauptstraße. Eine freie, schön begrünte Fläche, umsäumt von Bäumen, ist von diesem ehemals recht stattlichen Betrieb geblieben. Hier erfahrt ihr viel Wissenswerte über das Unternehmen, finden einmalige historische Aufnahmen der Fabrik und ein einzigartiges Video aus den 30er Jahren …

Die Ortsliste aus dem Jahr 1935 notierte unter der Nummer OL489, heute Spitzkunnersdorfer Straße 5, die „Tischer Färberei“. Eigentümer der Färberei war Karl Tischer. Im anliegenden Wohnhaus lebten im Jahr 1935 Auguste Tischer (verwitwete Rentenempfängerin), Anna Tischer (Materialwarenhändlerin) sowie Richard Linke (Schlosser). Das Gebäude wurde zwischen 1892 und 1893 von Gustav Neumann erbaut. Am 06.Juni 1905 folgte der Verkauf des Gebäudes an den Färbereibesitzer Karl Tischer. Die Färberei wurde errichtet, um für die vielzähligen Webereien in der Umgebung das Färben des Garns zu übernehmen. Bekannt ist, dass die gefärbten Garne über eine „Rutsche“ das Haus verließen und auf Pferdefuhrwerken, später auf LKW‚s geladen, in die Webereien gebracht wurden.


Zum Betrieb der Färberei gehörte eine Dampfmaschine. Dabei handelte es sich um eine Einzylinder-Ventilmaschine mit Raupach-Steuerung und 75 PS Leistung. Besagte Dampfmaschine wurde in der Görlitzer Maschinenfabrik R. Raupach gefertigt und tat Ihre Dienste bis zum 09. Mai 1973.

An diesem Tage, es war in den frühen Nachmittagstunden, gab es eine Explosion in der Färberei. Die Explosion war so heftig, das der „Knall“ nach Augenzeugenberichten weit bis ins Dorf zu hören war. Anders als in den vielen vorherigen Zwischenfällen, in welchem die Großschönauer Feuerwehr zur Hilfe gerufen wurde, lag es dieses mal nicht an den Kohlebunkern. Die Explosion wurde bei der Trocknung bedruckter Stoffe verursacht. Die Bestandteile der chemischen Materialien in Verbindung mit dem Trocknungsprozess entwickelten eine explosive Mischung, welche das Unglück und auch das Ende dieser Färberei einläutete.

Als die Feuerwehr bei der Färberei „VEB Buntveredlung Großschönau“ (so wurde das Unternehmen im Zuge der Verstaatlichung benannt) eintraf, schlugen schon Flammen aus dem Gebäude. Eine Rettung des Gebäudes war im Angesicht des Großbrandes unmöglich. An ein Wunder grenzte, dass bei diesem Ereignis keine Personen verletzt wurden.

Laut Chronik der Feuerwehr Großschönau wurden bei der Färberei einige Zwischenfälle verzeichnet, welche aber im Vergleich zum Geschehen am 09.05.73 glimpflich ausgingen. So zum Beispiel rief man die Kameraden am 21. Juli 1933, am 02.05.1950 und am 28.September 1955 zu einem Kohlenbunkerbrand. (Die Kohlebunker befanden sich zwischen Kohlen Hänsch und Däsler Bauer). Die Mischung aus teilweise feuchter Braunkohle und dem Staub der hochwertigen Steinkohle oder Braunkohlebriketts lösten damals die Selbstentzündung aus. Verzeichnet ist auch ein Zwischenfall am 31. Mai 1938, als es einen Chemikalienbrand (Hydrosulfit) gab.

Aufgrund des Brandes und der Explosion konnte die Produktion in der Färberei nicht mehr fortgesetzt werden. Die Fachkräfte unter den Mitarbeitern wurden in andere Firmen verlegt und das Gebäude vorerst „zwangsgesichert“. Auch die jahrelang aus dem Abwasserrohr, welches direkt in die Mandau ging (neben der Brücke Spitzkunnersdorfer Straße), fließende dicke Färbebrühe und der Färbeschlamm, welches dem Gewässer massiv schadeten, versiegte. Geblieben war eine Ruine, welche über 10 Jahre vor sich hinschlummerte.

1984 wurde das Gebäude mithilfe eines ortsansässigen Schrotthändlers beräumt. Die Aktion „Max braucht Schrott“ hatte die damalig Verantwortlichen wohl dazu gedrungen, die noch immer vorhandenen Maschinen, wie zum Beispiel dir Dampfmaschine, den „Wertstoffkreislauf“ zuzuführen. Es sollte fast zwei Jahre dauern, bis das Gebäude dann entgültig abgerissen wurde. (Auf meinem Schulweg kam ich immer an der Ruine vorbei und ich erinnere mich noch genau an den Abbruch …) Lediglich die Kohlebunker wurden beim damaligen Abriss nicht verfüllt. Dies erledigte aber ein Unternehmen vor ca. 2 Jahren. Seit dem findet man auf dem Grundstück von Großschönaus größter Färberei nur noch die bereits am Anfang erwähnte Grünfläche.

Am Ende möchte ich erwähnen, das Großschönau noch weitere Färbereien beheimatete. So die Firma Karl-Gustav Sperling auf der Theodor-Haebler-Straße und die chemische Reinigung Weickelt auf der Dr.-Külz-Straße (damals Blumenstraße).

Die Färberei Tischer in Großschönau

In diesem Artikel möchte ich über die „Färberei Karl Tischer“ in Großschönau berichten. Die Färberei befand sich zwischen der Spitzkunnersdorfer Straße und der heutigen Hauptstraße. Eine freie, schön begrünte Fläche, umsäumt von Bäumen, ist von diesem ehemals recht stattlichen Betrieb geblieben. Hier erfahrt ihr viel Wissenswerte über das Unternehmen, finden einmalige historische Aufnahmen der Fabrik und ein einzigartiges Video aus den 30er Jahren. Den ganzen Artikel lest ihr HIER...

 

Abriss der Färberei Tischer

 

Das Video aus den 30er Jahren …

Das folgende Video wurde in den 30er Jahren von der Filmfabrik C.A. Linke & Co aus Dresden aufgenommen. Wegen der Szenen, welche Personen in Uniformen des dritten Reichs zeigt, wurde der 16mm Schmalfilm von einem Großschönauer während der DDR-Zeiten versteckt gehalten. Das Video zeigt den Umzug der Großschönauer Schützen beginnend auf der Spitzkunnersdorfer Straße bis zum „Schissplatz“. Dort gibt es zahlreiche Filmsequenzen und Bilder vom damaligen „Schissn“. Im Jahr der Videoaufnahme war Karl Tischer Schützenkönig von Großschönau …


Sie wissen mehr über die Färberei?
Ich bin überzeugt, dass es noch so einiges aus der Geschichte der Färberei zu berichten gibt. Wenn Sie etwas darüber Wissen dann schreiben Sie mir oder hinterlassen Sie einen Kommentar.

 




Kommentar von Liane Braun 15.07.2018 am 11:14 Uhr
Ich kann mich noch daran erinnern mein Vater Helmut Probst hat in der Firma gearbeitet .Manchmal durfte ich im Büro sitzen und mit der Schreibmaschine spielen.

Kommentar von Frieder Venus 18.05.2016 am 07:25 Uhr
Habe sehr erfreut den Artikel gefunden. Mein Vater Kurt Venus war der langjährige Betriebsleiter der Färberei. Ich selbst habe kurz in der Färberei gearbeitet. Soweit ich erinnere, sollte die Färberei schon vor dem Brand geschlossen werden (Wasserverseuchung, Ineffizienz und Arbeitsbedingungen). Das hat meinen Vater damals sehr getroffen, er fühlte sich verantwortlich. Ist die Färberei tatsächlich bis 1973 weitergeführt worden und wer war dann Betriebsleiter? Ich frage auch danach, weil ich eine Erzählung über meine Eltern schreibe und natürlich genau sein will. Herzlichen Gruß nach Großschönau

Kommentar von Stürzekarn Uwe 12.07.2015 am 13:40 Uhr
Stürzekarn Jürgen,Vati's EMW!! Das war ein Hochgenuss,das Gefühl wie auf einem Sofa dahin zu gleiten..Zur Verladerutsche weiss ich noch wie der Kleine Lkw Garant davor stand,u Herr Zöllner von oben die fertigen Garn Päckchen hinein warf,u sie im LKW landeten.Großröhrsdorf galt als Fernfahrt u Tagestour für den kleinen Garant (Fenno)

Kommentar von Wolfgang Kahle 09.06.2015 am 17:04 Uhr
An die Explosion kann ich mich noch erinnern. Der damalige Chef-Fahrer Sturzekamp hieß er, glaub ich, hat dann den Firmen-PKW, einen EMW 340/2 in exelentem Zustand, die "Aschegrube" hinter der Ziegelei heruntergestoßen und so entsorgen müssen. Dann kam Auto-Ulbricht und hat sich aus dem zerstörten Auto noch Teile ausgebaut.


Artikel teilen:

Anzeige

aus unserer Galerie

Ausblicke von der Lausche im Mai 2014

zur Galerie